Erfahrungsbericht: Import eines 1967er Mustang Fastback aus Las Vegas

30.07.2009 11:25von: Malte Waldow

Ein Bericht von Jörg Schneider: Vor einigen Jahren lernte ich jemanden kennen, der einen 1968 Mustang besitzt. Mich hatten gleich die Formen des Fahrzeuges in den Bann gezogen und als er den Motor startete war es geschehen: ich wollte auch einen Mustang!

Meine Suche nach Fahrzeugen begann vorerst im Internet, denn ich wußte fast nichts über diese Autos. Was gibt es (Modelle), was sind die Unterschiede, was gefällt mir, wie liegen die Preise usw. Meine Ziel war das 67er Cabrio, Farbe: brittany oder acapulco-blue mit weißem Verdeck und Interior. Es sollte möglichst gut restauriert sein, das Eine oder Andere hätte ich mir vorstellen können selber zu restaurieren/reparieren, jedoch hätte ich bei Karosserie-Blecharbeiten und Lackierung aufgegeben.

Die Suche
Recherchen und Fotos auf einschlägig bekannten Internet-Autobörsen suggerierten mir, dass ich mit einen Preisrahmen von 25.000Euro einen recht guten Mustang bekommen sollte. Als ich mir einige „Kandidaten“ ausgesucht hatte, wollte ich mir die Fahrzeuge natürlich auch mal in „real“ ansehen und machte mich u.a. auf den Weg nach Frankreich (Roeschwoog), wo gleich hinter der Grenze bei Baden-Baden ein Oldtimer-Händler ein 67er Cabrio anbot, Preis: 24.900€. Mein erster Eindruck war: „oh, und DER kostet SOviel“ …..

Die Probefahrt ergab: Trommelbremsen sind ein no-go! Generell kann ich nur jedem Neuling empfehlen sein „Traumauto“ zu fahren und seinen „Traum“ zu prüfen ob es ein Traum bleibt, denn auch wenn die Optik der Autos toll ist, ehrlicherweise muss man gestehen, dass Oldtimer kein pures „Fahrvergnügen“ sind. Somit gab’s nun die Option: entweder Scheibenbremsen später nachrüsten (kostete allerdings gut und gerne über 2000Euro) oder gleich nach nem Stang suchen, der disc-brakes besitzt.

Fazit zu dieser Besichtigung: für knapp 25.000Euro bot man mir ein Mustang Cabrio an, welches technisch OK und fahrbereit war, jedoch war der Allgemeinzustand eher mäßig, der Lack deutlich lediert, an einigen Stellen wurde offenbar gespachtelt, das Verdeck war nicht dicht (es regnete „zum Glück“ bei der Probefahrt) und insg. war mir klar, dass ich gut und gerne noch 10.000Euro in dieses „Projekt“ hätte stecken müssen, bis das Auto so gewesen wäre, dass ich es toll fände. Schließlich möchte ich trotz „Oldtimer“ nicht mit einer zusammengeflickten Rostlaube vorfahren….

Die nächsten Versuche in Europa
Meine nächste Reise führte mich zu einem Inserent aus Westerloo (Belgien), der stets mehrere Mustangs und US-Cars im Internet anbietet. Ich mache es kurz: die Fahrt hätte ich mir sparen können. Das Preis-Leistungsverhältnis: völlig indiskutabel.

Letzte Station waren die CMS-Herren aus Rheinmünster, die man u.a. auch aus diversen TV Auftritten kennt. Gewiss ein renomierter Laden, bei dem die Stangs bis auf die letzte Schraube zerlegt und absolut professionell aufgebaut werden, jedoch für Preise, bei denen ICH dann meinen Fahrzeugwunsch vermutlich komlett neu überdacht hätte, oder würden Sie einen Mustang für 60.000Euro und mehr kaufen?!

Doch aus den USA?
Nun begann die Internetrecherche in den USA. Mit ein wenig Aufwand findet man auch dort einige Autobörsen, die sehr viele Einträge mit Mustangs haben. Was mich die Recherche in Deutschland jedoch schon gelehrt hatte: Fotos sind schön, sagen aber am Ende nur wenig über den realen Zustand der Fahrzeuge aus. Insb. bei USA Fahrzeugen ist eines nicht zu vergessen: es gibt dort keinen TÜV, sodass jeder im Prinzip fahren kann, was und womit er will, egal wie vergammelt und/oder gefährlich der technische Zustand ist…

Neben den Internet Autobörsen ist EBAY ein recht interessanter Schauplatz. Man kann Fahrzeuge „beobachten“ und verfolgen, wie die Preise so liegen bzw. was möglich ist. Bei diesen unverbindlichen „Beobachtungen“ hatte ich auch einige 67er Fastbacks aufgenommen, abweichend von meinem ursprünglichen Wunsch des Cabrios. Dort fand ich dann u.a. einen 67er Fastback, den ich anfangs nur beobachtet, weil mich die Farbe extrem fasziniert: lime-gold. Die Auktion endete erfolglos, denn der Mindestpreis des Käufers wurde nicht erreicht.

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Die erfolglose Auktion endete bei immerhin knapp $30.000, aber über meine Suche und Recherchen war der Dollar auf 1:1,45 gefallen und die Talfahrt ging weiter. Nach einigen Berechnungen stand fest: wenn das Auto „so“ ist, wie die Fotos es versprechen, dann ist es ein Schnäppchen und ich bleibe innerhalb meines ursprünlgichen Limits trotz zuzüglicher Inportkosten!

Die Kontaktaufnahme
Ich schrieb den Verkäufer an und frage nach seinem Mindestpreis, er frage mich im Gegenzug nach meinem Angebot. Wir waren uns schnell einig, ich legte $1.000 aufs Maximalgebot drauf und er war einverstanden. Nun wurde es ernst und mir wurde gleichzeitig „mulmig“. Bislang war das alles ein Traum, eine Fiktion oder ein „Spleen“, wenn man so will, aber nun musste ich mich entscheiden.

Ich hatte ihn um weitere Fotos per email gebeten, hochauflösend. Alle Fotos waren toll, aber das war mir zu heikel: ich buchte 5 Tage Las Vegas, nahm 50% der Kaufsumme in Travellarcheques und den Kaufvertrag mit, den ich den Verkäufer zuvor per email gesendet und „absegnen“ lassen hatte.

Besichtigung vor Ort
In Las Vegas war alles zu meiner Zufriedenheit obwohl ich aus heutiger Sicht sagen muss: ich hatte viel Glück, denn eigentlich hatte ich viel zu wenig Ahnung von dem Auto um den Zustand objektiv zu bewerten. Also: nehmt euch am Besten jemanden mit, der Ahnung hat! Nach Anzahlung mit dem halben Kaufpreis und Unterzeichnung des Kaufvertrages übergab mir der Verläufer den Original „title“ des Autos (=Kfz-Brief). Die Dokumente habe ich persönlich per FED-Ex an den Agenten gesendet, der den Transport organisierte. Zu Hause angekommen überwies ich dann die 2. Hälfte der Kaufsumme per Auslandsüberweisung und gab dem Agenten grünes Licht für den Transport im Container mit Versicherung „all-risk“.

Nützliche Informationen / Fazit
Informationen über den Import fand ich im Vorfeld auf die Seite von Jens Wilde auf welcher beschrieben wird, dass der Import über Rotterdam mit nur 6% Steuern und 0% Zoll berechnet wird. Bei Anschiffung in Bremerhaven sind es 10% Zoll + 19% MwSt.

Ergebnis: der Import über Rotterdam hat mir knapp 5.500 Euro gespart!

Jens Wilde war so nett mir einen sehr guten und verlässlichen Importeur aus den NL zu nennen. Die Abwicklung war sehr professionell und unkompliziert, wenn ich auch einige male telefonieren musste und den Jungs von Cargo-Solutions vielleicht teilweise ein wenig auf die Nerven ging mit meinen vielen Fragen. Ein Kontaktmann vor Ort in LA hatte den Transport von Las Vegas nach LA und die anschließende Einschiffung organisiert. Einzig bei der Angabe des Containers ist was schief gelaufen, wodurch man mir die Ankuft des Autos in Rotterdam eine Woche früher versprach, als tatsächlich geschehen.